Erster Vormittag in Brüssel: Unser Besuch des EU Parlaments

Durch einen Schneesturm bahnten wir uns am ersten Vormittag den Weg zum EU-Parlament.

Die EU soll Frieden und Schutz bieten und wurde dafür gegründet. Wir selbst konnten das witzigerweise durch den Schneesturm so wahr nehmen. Was wir in der ersten Hälfte des ersten vollen Tages in Brüssel noch alles erlebt und im EU Parlament gelernt haben, erfahrt ihr in diesem Bericht.

Der Weg durch den Schneesturm zur EU

Am Mittwoch, den ersten vollen Tag in Brüssel, machten wir uns nach einer Stärkung im warmen Frühstücksraum des Hostels gegen 9 Uhr auf zur EU. Dabei schneite es auf den Straßen gewaltig. Der Wind bließ uns den Schnee fast von der Seite kommend ins Gesicht. Mit Regenschirmen versuchten wir uns daher bestmöglich vom Schneesturm zu schützen.

Und dann sahen wir sie: Die großen EU Flaggen, die rettenden Gebäude der EU! Die EU war unser sicherer Hafen im Auge des Brüsseler Schneesturms <3

Die EU soll Frieden und Schutz bieten und wurde dafür gegründet. Wir selbst konnten das witzigerweise durch den Schneesturm so wahr nehmen.

Erste Eindrücke gewinnen im Besucherzentrum der EU

Wir betraten das Besucherzentrum der EU und fingen an uns über die Standorte, die grundsätzliche Funktionsweisen und die Historie der EU zu informieren. Dabei stießen wir auf Zitate aus der Gründungszeit der EU, die heute wie damals zwar immer noch richtungsweisend, aber aktuell mit einem anderen Beigeschmack zu lesen sind.

So wurde beispielsweise an einer Wand Thomas Mann, Mitglied des paneuropäischen Komitees, mit folgenden Worten zitiert:
“Was am Ausgang dieses Krieges stehen muss und wird, ist klar. Es ist der Beginn einer Weltvereinigung; die Schaffung eines neuen Gleichgewichts von Freiheit und Gleichheit; die Wahrung der individuellen Werte im Rahmen der Forderungen des kollektiven Lebens; …”

Durch das Erstarken von rechten und nationalen Kräften, die gegen die EU als Institution wirken, verändert sich der Blickwinkel auf das Zitat heutzutage eher in Richtung besorgt als hoffnungsvoll, wie er damals war. Die von uns als sicherer Hafen im Auge des Schneesturms angesehene EU gerät aktuell immer mehr unter Beschuss. Gerade wir als Weiße Menschen haben in der Institution der EU ohne Probleme Zuflucht gefunden (auf praktischer als auch abstrakter Ebene), aber wie hätte es ausgesehen, wenn wir an den Grenzen eine andere Hautfarbe oder Herkunft, wie zum Beispiel eine lateinamerikanische oder afrikanische, gehabt hätten?

Die Zitate zeigten und motivierten uns, uns daher jetzt umso mehr wieder für die EU und das gemeinsame Miteinander der europäischen Staaten einzusetzen.

Berliner Mauer gibts auch in Brüssel?

Nach dem Abstecher ins Besucherzentrum ging es direkt vorm Eingang des EU Parlamentsgebäudes (Paul-Henri Spaak Gebäude) vorbei an zwei Stücken der Berliner Mauer, die uns als Berliner sehr bekannt vorkahmen. Es war schön zu sehen, dass dieser Teil der deutschen Geschichte auch auf so einer großen Ebene wie der EU gewürdigt und als Inspiration für offene Grenzen und ein gemeinsames Miteinander in der Zukunft wahrgenommen wird.

Migration in der EU – nur als Kunst oder steckt mehr dahinter?

Im Anschluss auf dem Gang direkt vor der Besuchertribühne des Parlaments hingen weitere Kunstwerke, von denen eines die “Lines of Migration” (von Ruth Bianco) darstellte. Es ist interessant, dass zumindest auf künstlerischer Ebene die EU zeigt, dass sie sich des Problems der Menschenrechtsverletzungen an den Grenzen bewusst ist. Jedoch schienen diese Probleme abgesehen von Bildern auf den Gängen nicht allzu tief aufgearbeitet worden zu sein, da unsere anschließende Führung eher auf oberflächliche, logistische Eigenschaften des Parlamentsgebäudes eingegangen ist.

Vorteile der EU

Spannend fanden wir bei der Führung jedoch auch die vielen Vorteile, die die EU ihren Mitgliedsstaaten und somit auch den ganzen Bürgern bringt.

So konnten wir nochmal unsere einfache Anreise über die Deutsch-Belgische Grenze rückblickend bewundern. Denn durch das Schengen-Abkommen gab es keine Passkontrollen. Wir bemerkten den Grenzübergang erst kurz darauf durch die typische SMS des Mobilfunkanbieters. Hier wurde auch ein weiteres Wunder der EU sichtbar: Unsere Handys funktionieren in Belgien unter den selben Bedingungen wie in Deutschland, ohne das wir etwas machen oder zusätzlich bezahlen müssen.

Durch das hervorheben von solchen Vorteilen im Vortrag lernten wir diese Vorteile, die wir regelmäßig bei Reisen innerhalb der EU erleben, nochmal gezielt zu schätzen.

Sitzverteilung im Parlament: Was? So viele Abgeordnete hat Deutschland im EU Parlament?

Interessant fanden wir den Punkt, dass Deutschland von allen Ländern der EU die meisten Abgeordneten stellt mit ganzen 96. Das war uns zuvor gar nicht bewusst, wie gut Deutschland in der EU Abgeordnetenmäßig vertreten ist. Im Vergleich dazu haben 2/3 der Länder der EU nur jeweils maximal 1/3 der Abgeordneten, die Deutschland hat. Dies führte allerdings im Nachhinein auch zu Diskussionen innerhalb unserer Gruppe, inwiefern diese Aufteilung der Sitze im Parlament nach Größe der jeweiligen Länder gerecht ist oder nicht. Auch die Dominanz Deutschlands wird ja von nicht wenig Menschen kritisch gesehen. Die Führungsleiterin brachte uns allerdings auf neue Sichtweisen, die wir zuvor nicht gehabt hätten.

Besonders gut fanden wir den Fakt, dass keine einzige parlamentarische Gruppe in der EU eine absolute Mehrheit hat und uns somit Probleme, wie in den USA, erspart bleiben 🙂

Damit der Text nicht zu lang wird hier noch ein paar interessante Fakten und paar “Fun Facts”, die wir aus der Führung mitnehmen:

  • Es gibt 27 Länder in der EU und 24 verschiedene Amtssprachen.
  • Im Parlament kann man in jede der 24 Sprachen sowohl zuhören als auch sprechen. Dafür gibt es ein 2-Phasen-System. Zuerst wird innerhalb von 5 Sekunden von der jeweiligen Sprache auf eine der Hauptsprachen (englisch, deutsch, französisch, …) übersetzt. Von dort aus wird wiededrum in 5 Sekunden auf die restlichen Sprachen übersetzt. Somit kann man innerhalb von 10 Sekunden jeden verstehen.
  • Jede Parlamentssitzung ist live verfolgbar, online in jede der 24 Sprachen. Das finden wir transparenztechnisch super 🙂
  • Aktuell übersetzt die EU auch simultan ins Ukrainische. Dies ist aktuell noch freiwillig, wird dann verpflichtend wenn die Ukraine der EU beigetreten ist.
  • Die Simultanübersetzer*innen sollen möglichst auch die Emotionen der Redner*innen rüberbringen. Hier stellten wir fest, dass wir das selbst schwer fänden, wenn jemand mit einer komplett anderen politischen Einstellung spricht.
  • Als der ukrainische Präsident Zelensky sprach war seine Rede anscheinend so emotional, das man den Übersetzer vom ukrainischen aufs englische weinen gehört hat.
  • Die Kabinen der Simultanübersetzer*innen sind zur ersten Hälfte nach der alphabetischen Reihenfolge im französischen geordnet. Im späteren Verlauf für neu hinzugekommene Sprachen hinzugekommene Simultanübersetzer*innen sind allerdings nicht mehr nach dem französischen Alphabet eingeordnet, sondern hinten angehängt.
  • Die großen Landesflaggen im Sitzungssaal des Parlaments sind jedoch anderst geordnet. Sie sind alphabetisch geordnet danach, wie das Land in seiner eigenen Sprache geschrieben wird. Bei mehrsprachigen Ländern wird das spannend. Beispielsweise bei Belgien ist es aber zum Glück in allen drei Sprachen der selbe Anfangsbuchstabe “B”.
  • Einmal im Monat fahren 7000 Personen von Brüssel nach Straßburg. Hier gab es auch spannende Diskussionen dazu innerhalb unserer Gruppe.

Die Veranstaltungsreihe „Wir und die EU“ wird von der Europäischen Union im Rahmen von Erasmus + als Jugendpartizipationsprojekt gefördert.

Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Union. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung der Autor:innen wieder. Die EU-Kommission und Jugend für Europa haften nicht für Folgen aus der Wiederverwendung.