
Liebe Mitglieder und Aktive,
leider müssen wir mitteilen, dass die Reise nach Finnland zur „European Youth Peace Week“ abgesagt ist. Grund dafür sind Vorkommnisse, die unsere Delegierten beim Vorbereitungstreffen in Helsinki vor zwei Wochen erleben mussten. Auf dem Treffen hat unser finnischer Partner die Kooperation beendet. Der Vorstand von Aseistakieltäytyjäliitto (AKL) befand, dass unser Slogan „Israel-Hass ist kein Pazifismus“ für ihre Organisation untragbar sei. Doch keine Panik: Wir fahren statt dessen nach Den Haag zur EU und dem Internationalen Gerichtshof. Alle Infos findet ihr hier:
Eigentlich wollten wir vom 18. bis 30. September nach Helsinki in Finnland fahren. Dort wollten wir an der Jugendbegegnung „Baltic Youth Peace Week“ teilnehmen. Die Planungen dafür laufen seit Ende 2023. Im Sommer 2024 veranstalteten wir bereits zusammen mit AKL und Nash Dom in Helsinki das Training „Jugendbegegnungen planen leicht gemacht“.
Damals entwarfen wir bereits den Plan für die Beantragung der Jugendbegegnung in Helsinki. Nach mehreren Anläufen und nicht unwesentlicher Zuarbeit und Unterstützung durch unseren Verein bewilligte die EU dies im Februar 2026. Nun fand vom 15. bis 16. Mai 2026 das internationale Vorbereitungstreffen zur „ Baltic Youth Peace Week“ statt. Doch der Vorstand von AKL beendete dies mit einem Eklat.
Einheitliche Positionen vertreten?
Am ersten Arbeitstag des Vorbereitungstreffen bestanden Vorstandsmitglieder von AKL darauf, dass unsere Organisationen einheitliche Positionen zum Nahostkonflikt vertreten müssten. Die Teilnehmer müssten die Werte von AKL und der finnischen Friedensbewegung teilen; zumindest während ihres Aufenthalts. Sollten wir Aktivitäten in Finnland durchführen, würden sich alle Teilnehmer an diese Grundsätze halten müssen.
Austausch und Begegnung statt Vereinheitlichung
Damit waren unsere Delegierten nicht einverstanden. Teilnehmenden vorzuschreiben, was sie denken sollen, ist leider nicht mit unseren Werten und Arbeitsweisen als Jugendpartizipationsverein vereinbar. Darüber hinaus geht es in unseren Augen bei Jugendbegegnungen und beim Förderprogramm Erasmus+ nicht um Vereinheitlichung von Meinungen und Positionen. Es sollte um Austausch und Begegnung auf Augenhöhe gehen, um in der Vielfalt Gemeinsamkeiten zu finden. Doch das ist nicht gegeben, wenn die gastgebende Organisation von Oben herab ihre Positionen durchsetzen will.
Boykott von Israel oder Kriegsdienstverweiger aus Belarus unterstützen?
Die anwesenden Vorstandsmitglieder von AKL erklärten außerdem, dass zu den ihrer Meinung nach unverhandelbaren Werten von AKL sowie aller Friedensbewegungen in Finnland der Boykott Israels und die Zusammenarbeit mit der BDS-Bewegung gehören würde. Sie unterhielten „Anti-Apartheid-Zonen“, wo israelische Produkte boykottiert würden.
Unsere Delegierten erklärten, dass ein Boycott Israels in unseren Augen kein geeignetes Mittel sei, um im Nahen Osten auf Frieden, Verständigung und Versöhnung hinzuwirken. Außerdem betonten unsere Delegierten, dass wir uns gerne auf das Thema der Jugendbegegnung, die Unterstützung von geflohenen belarussischen Kriegsdienstverweigerern, fokussieren möchten.
Die belarussische Delegation von Nash Dom erklärte, dass der Nahostkonflikt kein Thema der Arbeit ihrer Organisation sei.
Paralleles Vorstandstreffen
Das Arbeitstreffen am zweiten Tag startete am Morgen zunächst wie vorgesehen. Doch unsere Delegierten wurden davon überrascht, dass es nach dem Mittagessen nicht wie geplant gegen 14h zur Fortsetzung des Programms kam. Stattdessen erfuhren sie, dass sich gerade der Vorstand von AKL treffe.
Kritik an unseren Veröffentlichungen
Gegen 14.45 baten drei Mitglieder von AKL (der Geschäftsführer, ein Vorstandsmitglied, sowie der die Baltic Peace Week organisierende Hauptamtliche) unsere beiden Delegierten ins Büro in einem anderen Stockwerk des Gebäudes. So isolierten sie unsere Delegierten räumlich von den Belarus*innen. Die drei teilten unseren Delegierten daraufhin mit, dass der Vorstand von AKL soeben beschlossen habe, dass AKL, wegen unseren Differenzen zum Umgang mit dem Nahost Konflikt nicht weiter mit uns kooperieren wolle .
Sie hätten sich unsere Veröffentlichungen im Internet angesehen. Dort hätten sie für sie untragbare Dinge entdeckt:
– dass wir ein Banner mit der Aufschrift: „Israelhass ist kein Pazifismus!“ in der Öffentlichkeit zeigen
– dass wir den Krieg in Gaza und die Besatzung des Westjordanlands nicht pauschal als „Genozid“ bezeichnen
– dass wir dagegen argumentieren, Israel mit dem Begriff „Apartheidsstaat“ zu belegen
Sie erklärten weiter, AKL sei nach wir vor an der Jugendbegegnung interessiert. Wir sollten doch bitte Teilnehmende schicken, die nicht zur Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e. V. „gehörig“ seien und die unsere Positionen zu diesem Thema nicht teilen würden. Daraufhin geleiteten die drei Personen von AKL unsere Delegierten vor die Tür des Gebäudes.
Separate Verkündung an Nash Dom scheitert
Die offensichtlich geplante separate Verkündung des Beschlusses an die belarussische Delegation scheiterte, da einer unser Delegierten seinen Pullover im Tagungsraum vergessen hatte und diesen holen ging. Dabei traf er zwei Delegierte der Belarus*innen, kam mit diesen ins Gespräch und berichtete sachlich, dass AKL die Kooperation aufgekündigt habe.
Teures Treffen für eine Absage
Bei der Antragstellung im Oktober 2025 hätte sich jemand von AKL unsere Internetveröffentlichungen ansehen können. Stattdessen lässt AKL vier ehrenamtliche belarussische Delegierte und zwei ehrenamtliche Freiwillige unserer Organisation anreisen, um dann parallel ein intransparentes Vorstandstreffen abzuhalten und die Kooperation aufzukündigen, weil ihnen unsere Positionen in Internet-Veröffentlichungen nicht passen.
Erklärungsbedarf?
Weder Angestellte noch Vorstandsmitglieder von AKL haben seit dem Prep-Meeting den Kontakt zu unserem Vorstand gesucht. Eine offizielle Erklärung des Vorstandes von AKL zu den Vorgängen mussten wir erst per E-Mail einfordern, bevor wir sie erhielten. Augenscheinlich sah AKL keinerlei Kommunikationsbedarf.
Wir haben angesichts des vorgeschlagenen Konstruktes massive inhaltliche, die Qualität der Jugendbegegnung betreffende, aber auch subventionsrechtliche Bedenken.
Auch AKLs Vorstellung, die Jugendbegegnung mit uns, aber ohne uns oder nur mit Teilnehmenden aus Deutschland, die Israel in ihren Augen angemessen delegitimieren, durchzuführen, lehnen wir ab.
Deswegen haben wir am 27. Mai die bestehenden Kooperationsvereinbarungen mit einem Schreiben an die finnische Nationalagentur widerrufen.
Trotzdem wegfahren?
Tut uns leid, das eure Planungen für den Sommer so den Bach runter gehen. Weil wir wissen, dass sich viele von euch den Zeitraum frei gehalten haben, und wir eure Enttäuschung verstehen können, haben wir beschlossen, die für November geplante Reise nach Den Haag zur EU und dem Internationalen Gerichtshof einfach sechs Wochen vorzuziehen.

Di. 22.9.-So. 27.9.26 Exkursion „Wir und die EU“: Auf nach Den Haag!
Im Rahmen unseres Jugendpartizipationsprojektes „Wir und die EU“ geht es mit dem Zug nach Den Haag, an die niederländische Nordseeküste. Wir besuchen die Europäische Justiz (eurojust) und den Internationalen Strafgerichtshof. Außerdem fahren wir nach Amsterdam ins Widerstandsmuseum. Und wir setzen bei einer Foto-Ralley unsere Fragen an die EU performativ in den öffentlichen Raum. Beachte: Den Haag liegt am Meer und hat im Gegensatz zu Helsinki sehr viel Strand und Dünen. Im September darf man dort im Gegensatz zu November und Helsinki durchaus auf gutes Wetter hoffen. Mehr Infos zur Tour und Anmeldung findet ihr hier:
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/05/27/di-17-11-so-22-11-26-exkursion-wir-und-die-eu-auf-nach-den-haag/