Das niederländische Königshaus als Symbol im Widerstand

Ihren Unmut über die nationalsozialistische Besatzung drückten Niederländer*innen oft in der Unterstützung ihres Königshauses Oranje-Nassau aus, zum Beispiel durch die Nutzung von Farben und Symbolen des Königshauses oder gar mit einer Geburtsanzeige für ein Kind, das die Namen der Königsfamilie trug.

Verzetmuseum
Das 1984 in einem ehemaligen jüdischen Theater in Amsterdam gegründete Niederländische Widerstandsmuseum dokumentiert den Widerstandes der Niederländer*innen gegen die deutsche Besetzung während des Zweiten Weltkrieges. Im Museum finden sich auch Beispiele kreativen Protests.

„Verlasst Amsterdam!“
Gleich am Eingang des Museums ist ein Nachdruck eines Adbustings aus Breda vom 26.2.1941 ausgestellt. Mit „Adbusting“ werden Aktionen bezeichnet, die mal satirisch-subversiv, mal offensichtlich in Werbung eingreifen. Der Nachdruck im Widerstandsmuseum zeigt eine Bekanntmachung der nationalsozialistischen Besatzer, die mit zwei orangenen Störern beklebt wurde. Auf den Störern steht übersetzt: „Verlasst Amsterdam!“ und „Die Niederlande frei!“ Dass die Störer orange sind, ist wahrscheinlich kein Zufall: Orange ist die Farbe des bis heute bei Niederländer*innen beliebten Königshauses Oranje-Nassau und die niederländische Nationalfarbe.

Das orangene V
Nach einem Aufruf des BBC in 1941 verbreitete sich das „V“ für „Victory“, „Victoire“ oder „Vrijheid“ in Europa als Zeichen des Widerstands gegen die nationalsozialistische Besatzung, so auch in den Niederlanden. Der niederländische Widerstand zeichnete das V bevorzugt in Orange.

Gescheiterte Umdeutung
Die deutsche Besatzungsmacht versuchte, das orange „V“ umzudeuten. In groß angelegten Propaganda-Kampagnen versuchten die deutschen Behörden, dem Buchstaben die Bedeutung „Victoria! Deutschland siegt an allen Fronten!“ zu geben. Ein zweischneidiges Schwert, denn die Flugblätter und Poster der Besatzungsmacht zierte nun die Farbe der Königsfamilie. Und mit wenigen Scherenschnitten und etwas Klebstoff lief sich aus zwei „V“s ein „W“ wie „Königin Wilhelmina“ machen.

Adbustings mit antisemitischer Propaganda
Der niederländische Widerstand kaperte auch direkt die Motive der Nazis. In einem Beispiel produzierte die Besatzungsmacht Flugblätter mit der rassistischen und antisemitischen Darstellung eines jüdischen „Bolschewiken“, in dessen Leib sich ein orangenes „V“ bohrt. Auch aus dieser Karikatur machte der Widerstand ein Adbusting. Als neues Gesicht bekam die Figur eine Scheitelfrisur und einen kleinen Oberlippenbart. Den Davidstern auf der Brust übermalten die Widerständler*innen mit einem Hakenkreuz. Außerdem fügten sie die Bochstaben „OZO“ für „Oranje zal overwinnen““ (dt.: „Oranje wird siegen!“) und eine orangene Krone hinzu.

Subversive Zeitungsanzeigen
Ein subtilerer Weg des Widerstandes findet sich in einer auf den ersten Blick harmlosen Zeitungsanzeige. Nachdem es zu Demonstrationen anlässlich des Geburtstages der Königin gekommen war, verbot die Besatzungsmacht jeden Bezug zu den Oraniern und auch die öffentliche Nennung ihrer Namen.

Die Hebamme Nelia Epker (1901-1977) überredete 1941 ein Ehepaar, ihr Neugeborenes nach der niederländischen Königin und den Prinzessinen zu benennen und eine Geburtsanzeige zu schalten. Und so fand sich in der Zeitung Haagsche Courant am 29. Januar 1941 die winzige Nachricht, das eine Iréne Beatrix Juliania Wilhelmina Niehot geboren sei.

Überraschenderweise fiel die sehr kleine Zeitungsanzeige damals tausenden von Menschen auf und sie schickten patriotische Grußkarten, Geschenke und Geld. Sie fiel auch der Besatzungsmacht auf: Die Deutschen entführten die Hebamme Nelia Epker ins KZ Ravensbrück, von wo sie 1945 von den Alliierten befreit wurde.