Eine Gruppe junger Menschen, die sich in der Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e. V. engagiert, präsentiert vom 24. bis 26.4.2026 die Ergebnisse des Projektes „Wir forschen! Kreativer Widerstand gegen den Nationalsozialismus!“ Die Gruppe recherchierte 12 Monate in Museen. Die kreativen Widerstandshandlungen, die sie fanden, präsentieren und würdigen sie mit einer spannenden Ausstellung. Sie ist in Neukölln im Ladenlokal im Erdgeschoss der Kirchhofstraße 45 am Freitag, den 24.4. ab 18h bis 22h zu besichtigen; Samstag, den 24.4. und am Sonntag, den 25.4. von 12h bis 17h (am Samstag vermutlich auch länger). Der Eintritt ist kostenlos.

Ausstellung machen?
„Ein aufregendes Jahr neigt sich dem Ende entgegen“ sagt Kai. Er und einige Freund*innen organisierten in den letzten zwölf Monaten in der Vereinigung für Vernetzung und Partizipation e. V. das Projekt „ Wir forschen! Kreativer Widerstand gegen den Nationalsozialismus“. Die Europäische Union förderte es als Solidaritätsprojekt des Europäischen Solidaritätskorps. „Zum Abschluss lassen wir es mit einen großen Finale in der Europäischen Jugendwoche krachen: Mit unserer Ausstellung „Kreativer Widerstand im Nationalsozialismus“ freut sich Kai. Die jungen Erwachsenen zeigen die Ergebnisse ihrer Recherchen auf Schautafeln: „Na klar haben wir auch die Ausstellung selbst gemacht.“

Worum gehts?
Häh, kreativer Widerstand gegen den Nationalsozialismus? Doch, das habe es gegeben, berichtet Kai: „Wir haben Biografien und Widerstandsaktionen von Menschen erforscht, die sich mit kreativen Aktionen gegen die Gräuel der Nazi-Herrschaft zu Wehr gesetzt haben.“ Mit ähnlichen Aktionen wie heute; aber sie zahlten einen viel höheren Preis. „Mit dem Projekt möchten wir die Biografien von Widerstandskämpfer*innen und Opfern des Nationalsozialismus bekannter machen, die mit kreativen Widerstandsaktionen gegen den Nationalsozialismus aufbegehrt haben.“

Störer gegen Zwangsarbeit
Doch was hat die Projektgruppe gefunden? In der Gedenkstätte Zwangsarbeit in Schöneweide fanden sie Belege für Aktionen mit Werbeplakaten von Zwangsarbeiter*innen: Diese bemalten Rekrutierungsplakate, um den Sinn so zu entstellen, dass aus der Werbeparole ein Aufruf zum Widerstand wurden. „Und kamen unerkannt davon“ berichtet Kai: „Und das, obwohl bei einem Beispiel aus den Niederlanden die deutsche Armee das Erschießen von Plakatierer*innen anordnete!“

Rote Kapelle
Auch eine der bekanntesten Widerstandsgruppen in Deutschland, die „Rote Kapelle“ nutze ausgerechnet das Bekleben von Plakaten mit Störern als Aktionsform. Mitglieder der Roten Kapelle klebten 1943 in Berlin tausende Störer auf Werbeplakate für eine rassistische Open-Air-Ausstellung im Lustgarten. „Fast wie heute“ wundert sich Kai.

Jugendwiderstand
Breiten Raum nimmt Jugendwiderstand in der Ausstellung ein. „Die Swing Kids und Edelweispirat*innen malten bereits Protest-Graffiti und nutzen etwas, das wir heute Performance oder verstecktes Theater nennen würden“ sagt Kai.
Tarnschriften
In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand stießen die Mitglieder der Projektgruppe auf sogenannte Tarnschriften. Das sind von den Nazis verbotene Texte in harmlosen Buchumschlägen. Diese wurden millionenfach aus der Tschechoslowakei nach Deutschland geschmuggelt. „Neben kommunistischen Langweilern sind auch spannende subversive Sachen dabei“ freut sich Kai.

Experimentalarchäologie
In Osnabrück besuchten Mitglieder der Gruppe den Gestapo-Keller und den Augusta-Schacht. Hier trafen wir auf die „Illex-Gruppe“, eine Geschichtswerkstatt, die anhand von Osnabrücker Gestapo-Akten Experimentalarchäologie macht. Sie bastelten eine Graffiti-Koffer, eine Flugblatt-Wurfmaschine und versteckten Flugblätter in Fahrradreifen. „Das inspirierte uns zu einem Selbst-Versuch: Wie schwer ist es, mit roten Farbspritzern Hinrichtungsposter zu kommentieren?“ berichtet Kai.
Rettungswiderstand
„Auch wenn es nicht richtig in unseren Fokus passte, waren wir sehr beeindruckt vom im Otto Weidt Museum gezeigten Rettungswiderstand“ berichtet Kai“ Ähnlich ging es den jungen Erwachsenen im Pilecki-Institut Berlin in der Ausstellung über Witold Pilecki. Der polnische Hauptmann infiltrierte unter Lebensgefahr auf Befehl der polnischen Exilregierung in Auschwitz ein um Beweise für die Vernichtung der Juden durch die Deutschen zu sammeln. Und als seine Chefs das Material nicht ausreichend fanden, zogt er nochmal los. Auch das überlebte er; die Sowjetunion ermordete den aufrechten Polen letztlich. „Vielleicht machen wir unser nächstes Projekt lieber über Rettungswiderstand“ grübelt Kai.
Weitere Museen
In Berlin besuchte die Gruppe außerdem die Topografie des Terrors, die Gedenkstätte Plötzensee und das Berliner Stadtmuseum, leider ohne für die Fragestellung wichtige Sachen zu finden. „Das Deutsche Historische Museum war leider dauerhaft sehr dicht“ sagt Kai.

Gefälschte Zeitungen in Brüssel
Fündig wurden Mitglieder der Gruppe aber auch auf größtenteils privaten Reisen im Ausland. In Belgien stolperten sie über eine Widerstands-Kultur des Fälschen von Zeitungen, die bis nach Frankreich ausstrahlte. „Während einer Reise nach Brüssel zur EU haben wir uns kurz abgesetzt und haben das leider geschlossene Widerstandsmuseum besucht“ sagt Kai, einer der Organisator*innen. „Am historischen Ort zu stehen war sehr beeindruckend.“

Graffiti
Im Warschauer Widerstandsmuseum stießen die Mitglieder der Projektgruppe auf auf Sticker Überkleber und Mimikry, mit denen der Widerstand den großen Aufstand 1944 vorbereitete.

Umdeutungen
Im Widerstandsmuseum Amsterdam fanden sie Störer auf Plakaten der Besatzer und lernten, wie die Farben des König*innenhauses zur Farbe des Widerstands wurde. „Außerdem begegneten wir dem „V“ und den damit verbundenen Deutungskämpfen“ sagt Kai.
Weiteres Material
Privat und ohne EU-Kohle waren einige Mitglieder der Gruppe außerdem im Widerstandsmuseum Paris, Widerstandsmuseum Lissabon, Widerstandsmuseum Kopenhagen und dem Widerstandsmuseum Rom: „Aber irgendwann war klar: Wir haben so viel Material; wir müssen aufhören und mit der Ausstellung loslegen“ erklärt Kai. Das sei auch der Grund, warum das eigentlich geplante Drucken mit Linoldruck zu kurz gekommen sei. „Die Schreibwerkstätten während des Projektes halfen uns sehr, die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.“
Europäische Jugendwoche?
Die jungen Erwachsenen haben die Ausstellung terminlich in die Europäischen Jugendwoche 2026 gelegt. Mit der Jugendwoche feiern die Europäischen Institutionen 30 Jahre Freiwilligenarbeit in Europa. Die von der Europäischen Kommission organisierte Veranstaltung fördert den Austausch und das Engagement junger Menschen. „Wir wollten mit unserer Ausstellung auch praktisch aufzeigen, was man mit Förderungen im Jugendbereich der EU alles anstellen kann und das Förderprogramm Erasmus+ bekannter machen“ sagt Kai.
Öffentlicher Raum?
Eigentlich wollte die Projektgruppe die Ausstellung im öffentlichen Raum zeigen. „Aber wegen schlechten Wetter haben wir dann doch im Büro aufgebaut“ erklärt Kai. Was die Sichtbarkeit leider eingeschränkt habe: Die geplanten 200 Besucher*innen habe die Ausstellung nicht ganz erreicht. „Aber das holen wir nach!“
Was ist ein Solidaritätsprojekt?
„Wir forschen! Kreativer Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ wurde von der EU im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps als Solidaritätsprojekt gefördert. Bei den Solidaritätsprojekten handelt es sich um lokale Initiativen, die eigenständig von einer Gruppe junger Menschen initiiert und umgesetzt werden. Eine Gruppe besteht dabei aus mindestens fünf Personen zwischen 18 und 30 Jahren, die gemeinsam ihre Projektziele festlegen und die Ausführung der Aufgaben planen. Mit Solidaritätsprojekten setzen junge Menschen vor Ort ihre eigenen Ideen um, beeinflussen damit positiv ihre Nachbarschaft und machen Europa greifbar und erfahrbar. Sie gehen in ihren Projekten europäische Fragen auf lokaler Ebene an und tragen dadurch zu mehr Solidarität und Zusammenhalt bei. Und die Europäische Union unterstützt finanziell.
Was?
Ausstellung „Wir forschen! Kreativer Widerstand im Nationalsozialismus“
Wann?
Freitag, 24.4.2026, 18-22h.
Samstag, 25.4.2026, 12-17h (vermutlich auch länger)
Sonntag, 26.4.2026, 12-17h
Wo?
Freifunkbüro Neukölln
Kirchhofstraße 45
Barrierefreiheit?
Ausstellungsräume und Zugang: Ja.
Die Sanitärräume haben eine breite Tür, sie sind auch recht groß, aber Haltegriffe und spezielle Ausrüstung fehlen.
Eintritt?
Nö.
Anmelden?
Nö.
Mehr Infos:
Das Niederländische Königshaus als Symbol des Widerstandes
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/04/23/das-niederlaendische-koenigshaus-als-symbol-im-widerstand/
„Fahrt selbst nach Deutschland!“ Kreativer Widerstand gegen Zwangsarbeit
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/04/22/fahrt-selbst-nach-deutschland-kreativer-widerstand-gegen-zwangsarbeit/
Der gefälschte Abend von Brüssel
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/04/22/der-gefaelschte-abend-von-bruessel/
Die Rote Kapelle: Mit Adbustings gegen Hitler
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/04/18/die-rote-rote-kapelle-mit-adbustings-gegen-hitler/
Sich den Tonfall der Macht aneignen: Kreativer Widerstand in Warschauer Aufstand
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/04/18/sich-den-tonfall-der-macht-aneignen-kreativer-widerstand-beim-warschauer-aufstand/
Workshop Layout, 7.3.-8.3.2026
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2026/02/22/sa-7-3-so-8-3-workshop-layout/
Workshop Schreibwerkstatt Teil 2, 14.2.- 15.2.2026
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2025/09/07/wochenend-workshop-schreibwerkstatt-zu-wir-forschen-kreativer-widerstand-gegen-den-nationalsozialismus-sa-11-10-12-10-25/
Wochenend-Workshop Schreibwerkstatt Teil 1, 11.10. bis 12.10.2025
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2025/09/07/1945-widerstand-gegen-den-nationalsozialismus-am-kriegsende/
1945: Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Ein Kommentar
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2025/05/26/sa-5-7-2025-exkursion-gedenkstaette-deutscher-widerstand/
Exkursion Gedenkstätte Deutscher Widerstand, 5.7.2025
Neues Solidaritätsprojekt bewilligt: „Wir forschen! Kreativer Widerstand gegen den Nationalsozialismus“
https://vernetzungpartizipation.noblogs.org/post/2025/05/05/neues-solidaritaetsprojekt-wir-forschen-kreativer-widerstand-gegen-den-nationalsozialismus/
„Wir forschen! Kreativer Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ wird von der Europäischen Union als Solidaritätsprojekt im Europäischen Solidaritätskorps gefördert.

Das Projekt wird finanziert von der Europäischen Union.
Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung der Autor:innen wieder.
Die EU-Kommission und Jugend für Europa haften nicht für Folgern aus der Wiederverwendung.